INFOS

Die Ausstellung

REMEMBER LUCERNE – TOURISMUS GESTALTEN ist eine Kooperation zwischen der Hochschule Luzern und dem Historischen Museum Luzern. Kuratiert wurde die Ausstellung von Franziska Nyffenegger, szenografisch umgesetzt von Sabine Leuthold und beratend begleitet von Alexandra Strobel. Impressum  >>

>> Fotos zur Ausstellung

RailAway-Kombi mit 20 % Rabatt auf Eintritt in die Ausstellung inkl. Theatertour. Weitere Infos: www.sbb.ch/historischesmuseum-lu

Thema 1: Den touristischen Blick entwerfen

Unter dem Titel sehenswert – look & gaze zeigt eine Serie von Bildern aus der Sammlung des Historischen Museums Luzern, wie der touristische Blick Landschaft entwirft und gestaltet und wie sich diese Bilder sowie die Bildträger im Lauf der Zeit verändern. Das Spektrum reicht von Handzeichnung und Ölgemälde über Kupferstich und Aquatinta zu Fotografie, Werbeplakat und Postkarte. Wertvolle Exponate wie beispielsweise ein Album mit Tuschzeichnungen der Engelberger Landschaft von Arnold Cattani (1846-1921) oder ein Stereograph von H.C. White aus der Blütezeit des klassischen Tourismus ergänzen die Bildserie.

Neben dem Entwurf von spezifischen Landschaftsbildern isoliert der touristische Blick einzelne Motive und macht sie zu Metonymen, zu ikonischen Platzhaltern für das grössere Ganze. In der Ausstellung stehen das Schweizer Chalet und der Luzerner Wasserturm exemplarisch für die Reduktion eines Reiseziels auf wenige klischierte Stereotypen. Beide Motive erleben bereits in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine massenhafte Verbreitung als Souvenirminiaturen. Ausgestellt werden Chalethäuschen aus dem Archiv der Brienzer Traditionsschnitzerei Jobin AG, die bis 1914 unter anderem eine Filiale in Luzern betrieben hat, sowie Wasserturmsouvenirs aus der Sammlung des Historischen Museums Luzern und dem Archiv von Luzern Tourismus. Einen zeitgenössischen Kommentar zu diesen historischen Exponaten liefert Tabea Guhl in Scaling Memories, einer Installation mit über 80 Reiseandenken aus der ganzen Welt.

 

Thema 2: Die touristische Ausrüstung entwerfen

Gut ausgerüstet, fällt das Reisen leichter. Der Bereich unterwegs – on the road zeigt fünf Prototypen von jungen Designer/-innen und eine Auswahl historischer Gegenstände. Neben nahe liegenden Dingen wie Tasche, Koffer, Necessaire werden in der Ausstellung auch ingeniöse Erfindungen wie ein teleskopartig zu öffnender Spazierstock-Schirm aus den 1950er Jahren oder ein handliches Reisebügeleisen aus den 1920er Jahren zu sehen sein. Gestalterisch-konstruktives Denken prägt auch die zeitgenössischen Entwürfe, etwa die modulare Picknicktasche von André Habermacher oder die vielfach nutzbare Kraxe von Simone Iseli.

Im Hotelzimmer als temporärem Zuhause über Nacht – overnight finden sich weitere für den touristisch Reisenden entworfene Objekte: unter den neun gezeigten Entwürfen angehender Gestalter/-innen etwa eine Steckerleiste für digitale Nomaden, ein multifunktionales Serviertablett oder eine bequeme Pyjamahose; unter den historischen Gegenständen zum Beispiel ein dreiteiliges, einklappbares Reisebesteck von 1850, ausziehbare Reisebecher und eine Geldkatze von 1900 oder Reisetoilettenpapier und -seife von 1960.

Zur touristischen Ausrüstung im übertragenen Sinn gehört das Erlernen des touristischen Reisens als Kulturtechnik. Das Aufsuchen von Sehenswürdigkeiten, der spezifische Blick auf die Landschaft, das Benutzen unterschiedlicher Verkehrsmittel oder der Kauf von Souvenirs sind den Menschen im 19. Jahrhundert völlig neu; sie müssen bis heute vermittelt und geübt werden.
Der Ausstellungsbereich Reisespiele – replay zeigt, wie Reisekultur seit 150 Jahren in Brettspiel, Bilderlotto, Quartett oder Memory entworfen wird.

Thema 3: Das touristische Erlebnis entwerfen

Wie werden wir in Zukunft reisen? Welche Attraktionen werden Luzern auszeichnen? Wo werden wir übernachten und was wird uns in Erinnerung bleiben? Das touristische Erlebnis von morgen steht im Zentrum von vier aktuellen Positionen, die prominent platziert den Kern der Ausstellung bilden. Entstanden sind diese Szenarien und dazugehörige Prototypen im Rahmen der Ausbildung Produktdesign der Hochschule Luzern – Design & Kunst.

Die erste Position unter dem Titel 3h in Luzern entwirft Konzepte und Produkte für Gruppenreisende aus China, für die Luzern (Schwanenplatz, Kapellbrücke, Löwendenkmal, Bucherer) nur eine von vielen Stationen auf einer rasanten Fahrt durch Europa darstellt. Weit vorausschauend schlägt Sébastien El Idrissi eine radikale Neugestaltung des Schwanenplatzes vor, auf dem die Stippvisite in der Leuchtenstadt beginnt und endet: Er befreit den Platz vom Verkehr und macht ihn zu einem attraktiven Treffpunkt. Alena Bodmer entwirft einen Hocker für diesen Ort; Samuel Urwyler einen praktischen und kostengünstigen Klappstuhl für unterwegs. Emanuela Zambon und Alisa Schäfer nehmen in ihren textilen Entwürfen bekannte Symbole wie den Wasserturm oder die Pilatussilhouette auf und übersetzen sie ins 21. Jahrhundert. So entstehen zeitgemässe Strickmode und originelle Accessoires für die asiatische Touristin.

Die zweite Position unter dem Titel MehrZweckWerk propagiert eine Plattform für das lebendige Kulturerbe, für innovatives Handwerk und traditionsbewusstes Design. MehrZweckWerk versteht sich als modernes Zunfthaus, das Ausbildung und Austausch bietet, Wissen sammelt und teilt, gestalterisch-handwerkliche Qualität garantiert und eine neue Luzerner Sehenswürdigkeit etabliert. Besucher/-innen erhalten hier Einblick in alte Techniken wie beispielsweise das Rechenmachen oder Häfeliflicken und erleben, wie Design in cleveren Produkten das Gestern mit dem Heute verknüpft. Im Ansatz geht MehrZweckWerk hinter die Erfindung des modernen Tourismus zurück und macht den Reisenden erneut zum lernenden Gesellen.

Die dritte Position thematisiert die Herberge der Zukunft. Das Konzept Rooftop Surfers geht davon aus, dass es schon in wenigen Jahren möglich sein wird, auf Luzerns Dachterrassen zu übernachten. Die Stadt wird damit eine besondere Attraktion erhalten und zum Anziehungspunkt gerade auch für junge Reisende werden. Dachcamping, so die visionäre These, wird spätestens 2020 zum hochsommerlichen Reisetrend.

Die vierte Position heisst Fussreisen im Depot. Sie lädt die Ausstellungsbesucher zu einer Entdeckungsreise durch die Räume der Dauerausstellung und zu einer Entdeckungsreise in die Region Luzern. Ausgehend von unterschiedlichen Wanderrouten und unterschiedlichen Landschaftswahrnehmungen sind poetische Objekte entstanden, die zum Nachdenken anregen: eine Neuinterpretation des Melkstuhls, eine textile Fels- und Schneelandschaft und eine Serie von rätselhaften geometrischen Körpern, deren Botschaft sich nur im richtigen Licht entschlüsseln lässt.

Der Entwurf von touristischen Erlebnissen ist keine Erfindung unserer Zeit, sondern seit Beginn des modernen Tourismus eine der zentralen gestalterischen Aufgaben, die die Gastgeberkultur zu lösen hat.

Die Ausstellung verweist in einer Audiostation auf die historische Dimension des Themenfelds. Dort können die Besuchenden einen Moment blaumachen von ihrer Besichtigungstour und über’s Ohr in das Ferienland Schweiz der letzten 60 Jahre eintauchen.

 

Thema 4: BROADCASTING SWISSNESS (Audiostation)

Wie tönt die Schweiz? Kurze Zusammenschnitte aus der Radiogeschichte fangen die auch akustisch vielgestaltige Schweiz ein. Schweizer Radio International komponiert in den 1950er- und 1960er-Jahren aus Feldaufnahmen Klangbilder, die bis heute überraschen: das Rattern und Dröhnen der Säntisbahn, ohrenbetäubendes Muhen und Glockengeläut am Combat des Reines oder das etwas sphärische Signet des PTT-Pavillons an der Expo Lausanne von 1964 …
Auch die Flugunterhaltung der Swissair erinnert an die Zeit des Wirtschaftswunders, in der das touristische Reisen immer breitere Kreise erreicht hat. In ein- bis zweistündigen Features wurde das Erlebnis der Reisenden vor- und nachbereitet: sei es eine Gletscherlandung in einem Pilatus Porter, eine temporeiche Bobbahnfahrt in St. Moritz, oder Grasskifahren im Sommer – die Alpen zeigen sich wiederholt als zentraler Tummelplatz touristischer Aktivitäten abseits der grossen Städte.
Begleitet waren die Sendungen bewusst von «typisch» schweizerischer Musik, vom Ländler über den Knabenchor bis hin zum Bödele, dem Taktschlagen mit den eigenen Füssen.
Die Hörstation entstand gemeinsam mit dem SNF-Forschungsprojekt «Broadcasting Swissness», das die Hochschule Luzern, die Universität Basel und die Universität Zürich in Kooperation mit dem Schweizer Radio und Fernsehen SRF (swissinfo, ehemals Schweizer Radio International), dem Verein zur Erhaltung des audiovisuellen Kulturgutes der Schweiz «Memoriav» und der Schweizer Nationalphonothek durchführt.


Szenografische Umsetzung der Ausstellung

Gastfreundschaft ist das Herzstück von jedem gelungenen touristischen Erlebnis. Nicht ohne Grund schulen touristische Destinationen ihre Dienstleister regelmässig in Freundlichkeit, nicht ohne Grund lautet der Werbeslogan von Schweiz Tourismus «Wir tun alles …», und nicht ohne Grund steht das Fremdenverkehrsjubiläum 2015 unter dem Motto «200 Jahre Gastfreundschaft Zentralschweiz». Ohne Gastfreundschaft bliebe das Reisen kriegerisch und der moderne Tourismus, wie er im 19. Jahrhundert entsteht, wäre undenkbar.

Das szenographische Konzept der Ausstellung REMEMBER LUCERNE nimmt das Motiv der Gastfreundschaft als gestalterischen Dreh- und Angelpunkt: Im Foyer des Museums erwartet eine Lounge mit Blick auf bekannte und weniger bekannte Seiten von Luzern die Besucher, und in der Sonderausstellung beginnt die Reise am Hoteltresen. Ein roter Läufer teilt den Raum; er erinnert ebenso an die Blüte der Grand Hotels in der Belle Epoque wie ein Kronleuchter mit visionärem Innenleben. Am Hoteltresen entscheidet der Ausstellungsbesucher, ob er sich direkt und auf geradem Weg ins Hotelzimmer begibt, ob er links abdreht und einen Spaziergang im touristischen Aussenraum unternimmt oder ob er einen Besuch im Innenraum zur Rechten bevorzugt.

>> Fotos zur Ausstellung

Die Theaterproduktionen

Die Theatertour «Ballade eines Zimmermädchens» mit den Schauspieler/-innen des Historischen Museums Luzern und das Stationentheater «Paradies retour» mit den Theaterkids der Stadt Luzern greifen verschiedene Aspekte des Tourismus von heute und damals auf. Mehr >> 

Die Führungen und Diskussionen

Führungen und Diskussionen bieten Gelegenheit für vielfältige Einblicke in den Tourismus. Mehr >>

Die weiteren Angebote

Rundgang mit dem Scanner durch das Schaudepot des Historischen Museums Luzern zur Tourismusgeschichte und zum Löwendenkmal. Mehr >>

Die Podcast-Reihe "Zeig mir dein liebstes Souvenir"

Der rasende Reporter Roger Levy von kultur tv im Gespräch mit Personen aus aller Welt zu ihrem liebsten Souvenir.

 

 

Veranstaltungskalender

« Juli  2017 »
MoDiMiDoFrSaSo
 12
3456789
10111213141516
17181920212223
24252627282930
31 

Veranstalter

 

Kontakt

Historisches Museum Luzern
Pfistergasse 24
6003 Luzern

Tel. 041 228 54 24
historischesmuseum.lu.ch

Öffnungszeiten

Di - So 10.00 bis 17.00 Uhr

Folge uns...